Ausleihe Sommer 2015


Das inventarisierende Schreiben wie in Hans Carl Artmanns „Das Suchen nach dem gestrigen Tag“ oder in Georges Perecs „Versuch, einen Platz in Paris zu erfassen“.
„Der Mensch erlebt sich als zerfallend. Das Erschütternde an der Zeit ist, dass sie auftaucht, jetzt ist und ich in diesem Jetzt schon weiß, dass es gleich nicht mehr da sein wird. Körperlich, sozial, im Hören und im Sehen erleben wir dauernd den Zerfall der Welt. Wir kompensieren diesen Zerfall durch Erinnerung, durch Erwartung, durch…
Du fokussierst ein Segment in der Ruine in einer lang andauernden Einstellung ohne Schnitte. Was dir vor die Linse fällt, hältst du zusammen wie eine geradeaus starrende Puppe. Ein minimaler Schwenk deines Kopfes ließe einen anderen Ausschnitt sichtbar werden, was unmöglich ist, solange du alle Details zu einer Einheit zusammenfügst, damit ein Ausschnitt als Abschnitt…
Wenn man sich immer nur an die Vergangenheit erinnern kann und nicht an die Zukunft … Die Wissenschaft zerstört metaphysische Antworten, bietet aber keinen Ersatz. Es werden Fragen gestellt und Antworten vermieden.
Denken, wahrnehmen und empfinden sind Bewusstseinsinhalte. Aber was hat das Bewusstsein selbst für eine Form, abgesehen davon, dass es sich ständig auf etwas bezieht? Klaus Wellner postuliert dazu Folgendes: „Das Bewusstsein ist kein Seiendes mit einem Feldcharakter, in das anderes Seiendes eintreten kann und dann von ihm verändert wird. Ein Feld kann nur das Insgesamt…
„Ein Text unterscheidet sich von der Erfassung anderer Wahrnehmungsobjekte. Ein Wahrnehmungsobjekt erschließt sich als Ganzes, ein Text über die verschiedenen Ablaufphasen der Lektüre.“ Wolfgang Iser: Der Akt des Lesens: Theorie ästhetischer Wirkung: Wilhelm Fink Verlag München, 1976: S. 177